Asyl und der barmherzige Samarite

Warum kann Nächstenliebe nicht einfacher sein?

Da fragen wir seit 2000 Jahren: „Wer ist mein Nächster?“

Die Familie, die pflegebedürftigen Eltern, der kranke Freund.

Und für mich sind gerade die Hattenhofer Asylbewerber meine Nächsten. Damals lag ein zusammengeschlagener Mensch auf dem Weg des Samariters, der dazu noch einen fremden Glauben hatte. Heute sind es die ausgebombten Syrer, die von Taliban bedräng-ten Afghanen, die wirtschaftli-cher Not ausgesetzten Familien aus dem Kosovo, die an meinem Weg aufgetaucht sind, die auch einen anderen Glauben haben. Das hatte für den Samariter wie für uns heute keine Rolle gespielt. Die Nächsten sind Menschen in Not, sagt Jesus.

Warum kann Nächstenliebe nicht einfacher sein?

Da sind liebenswürdige Menschen dabei, die lernen und arbeiten und sich an die Regeln halten, fröhliche Kinder, aber eben auch schwierige und laute. Den einen helfe ich von Herzen, aber den anderen? Aber gerade die brauchen Unterstützung in ihrem deutschen Alltag am meisten, die anderen schaffen es fast alleine. Und so feiern wir gemeinsam das Ende des Fastenmonats und reduzieren zum 10. Mal die Lautstärke.

Warum kann Nächstenliebe nicht einfacher sein?

Der Samariter leistete erste Hilfe, dann lud er den belasteten Menschen auf seinen Esel, brachte ihn zu einem Wirt, der ihn weiter versorgte, bis er sich wieder alleine zurechtfinden konnte.

Dieser Schluss entlastet wohltuend. Nach anfänglicher Hilfe können, ja müssen wir uns wieder zurücknehmen. Einige können selber zu Ärzten, zum Jobcenter, zum Landratsamt, zur AOK gehen. Wenn wir ihnen auch helfen müssen, die bürokratischen Papierberge aus-zufüllen und Anwälte einzu-schalten, wenn es in einer Ablehnung heißt, 2016 habe es in Afghanistan 11.418 zivile Opfer gegeben, aber was sei das schon bei 28,6 Millionen Einwohnern? Zum Glück sind diese Behörden nicht meine direkten Nächsten, so dass da heiliger Zorn angebracht ist (finde ich). Bis ich auch meinen Zorn loslassen kann.

Marianne Fuchs vom „Freundeskreis Asyl